TEXTDie Berliner Künstlerin Asli Sungu arbeitet in den Medien Video, Installation und Foto.
In ihrer ersten Einzelausstellung in der Galerie Lena Brüning wird Sungu mehrere neue Arbeiten zeigen.
In einer kleinen Vitrine wird die Arbeit „Wiederkehren“ gezeigt. Bei den Blättern, die zunächst wie echtes Laub verschiedener Bäume erscheinen, handelt es sich um Abgüsse, die aus reiner Farbe bestehen. Die verwendeten pflanzlichen Pigmente wurden aus genau diesen Blättern gewonnen. Sungu hat sie mit einem natürlichen Bindemittel vermischt und dann wieder in die entsprechende Blattform gegossen. Hier wird die Farbe von ihrem Dasein auf der Leinwand als Hilfsmittel zur Darstellung befreit und darf selber Form werden, dreidimensional werden und auf direktestem Wege den abgebildeten Gegenstand repräsentieren.
„Blind Date“ ist eine Serie von kleinformatigen C-Prints, für die Sungu in einem Berliner Designladen die Zettel gesammelt hat, auf denen die Kunden Buntstifte und Kugelschreiber ausprobieren. Diese zufällig und unbeabsichtigt entstandenen Zeichnungen spiegeln oft das Unterbewusste des Zeichners und waren nie dafür vorgesehen, im Kunstkontext gezeigt zu werden. Durch den Prozess des Abfotografierens werden diese mehr oder weniger zufällig entstandenen Zeichungen in ein anderes Medium übersetzt und noch weiter ihrem Ursprung entfremdet. Somit entsteht auch die Frage nach dem Urheber oder der Position des Künstlers.
Sungus Arbeiten setzen sich oft mit dem Prozess des Versagens auseinander oder der Nicht-Erfüllens bestimmter Ansprüche, die von der Umwelt oder der Gesellschaft an den Einzelnen gestellt werden. So auch in ihrer Serie „Home Accidents“. Hier wurden Spuren des Versagens oder gar durch unprofessionelle Handhabung verursachte Schäden im Haushalt wie angebrannte Tischplatten, vergessene Spaghettireste im Topf oder zerkratzte Holzbrettchen in Originalgröße und Form abfotografiert und auf das Ursprungsobjekt gedruckt.
In ihrem Video „Like One“ beschäftigt sich Asli Sungu ebenfalls mit den Tücken des Alltags. Man sieht zwei Hände, die profane Aufgaben wie Gemüse schneiden oder Spülen erledigen. Doch es scheint ein Problem zu geben, die scheinbar einfachen Bewegungsabläufe zu koordinieren. Schaut man näher hin, erkennt man, dass es die Hände zweier verschiedener Personen (Asli Sungus und anderer Menschen, zu denen sie einen engen Bezug hat) sind. Ähnlich wie in ihrem Video „Faulty“ hinterfragt Asli Sungu hier die Ansprüche der Gesellschaft an den Einzelnen und zelebriert den Moment des Nicht-Perfekt-Seins, des Fehlerhaften, ohne dabei den Humor zu verlieren.
In Verbindung mit dem Video „Like One“ wird Asli Sungu im Büro der Galerie zwei Fotos zeigen, die in Istanbul aufgenommen wurden.
Asli Sungu hat bereits international ausgestellt, zum Beispiel im Rahmen der Instanbul Biennale 2007, in der Schweiz und in Seoul, Korea und erhielt im Jahr 2008 den renommierten Förderpreis der Villa Romana. 2010 wird sie einen Studienaufenthalt in London verbringen und an der Ausstellung „Reise ohne Rückkehr“ teilnehmen, gefördert durch die Delfina Foundation.
BIOGRAPHIE1975 geboren in Istanbul, Türkei
2005 Meisterschülerin von Prof. Möbus, Udk Berlin
2000 Studium an der Udk Berlin
1999 Mimar Sinan Universität der Künste, Istanbul, Türkei
EINZELAUSSTELLUNGEN
2010
_Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden
2009
_Galerie Lena Brüning, Berlin
2008
_Noise and Silence, Khyber Institute, Halifax, Kanada
2006
_Goethe Institut Ankara, Türkei
GRUPPENAUSSTELLUNGEN (AUSWAHL)
2010
_Journeys with No Return, A Foundation, London
_She Devil 4, Studio Stefania Miscetti, Rom
_Ich weiss was Du nicht siehst, Kunstraum Kreuzberg, Berlin
_This Story is not ready for its footnotes, Ex Elettrofonica, Rom
2009
_Karl Valentin, Komik und Kunst seit Fluxus, Münchner Stadtmuseum, München
_Nautilus, Städtische Galerie Nordhorn, Nordhorn
_5 x Video, Screening, Galerie Lena Brüning, Berlin
_Move On Asia 2009, Loop Alternative Space, Seoul, Korea
_End Game, Loop Alternative Space, Seoul, Korea
2008
_Authority, Kunstverein Arnsberg, Arnsberg
_Moment of Agency, Screening, Kunstmuseum Bern, Kunsthalle Basel, Schweiz
_Here...There...Abroad, Rum46, Arthus, Dänemark
_Becoming Istanbul, DAM, Frankfurt
_Freisteller, Villa Romana Stipendiaten, Deutsche Guggenheim, Berlin
_Erwartung, Wartesaal, Zürich, Schweiz
_Stockfinster ist es draußen, Galerie Lena Brüning, Berlin
2007
_Drei Abende Türkischer Videokunst, IFA Galerie Berlin und Stuttgart
_Junger Westen, Kunsthalle Recklinghausen, Recklinghausen
_Frac Franche Comté "Les Inattendus", Musée départemental d`arts et tradition popularizes, Champlitte, Frankreich
_Nightcomers, 10. Istanbul Biennale, Istanbul, Türkei
_Air pocket, Galerist, Istanbul
_Förderkohle, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin
2006
_Monat der Fotografie, Haus am Kleistpark, Berlin
_Arabesque Süperiör, Lothringer Str.13, München
_Jump Cut-Nights, Screening, Museum Ludwig, Köln
_Exploding Television - Sex and Sadness, Witte de Witt, Rotterdam, Niederlande
2005
_Fokus Istanbul, Martin Gropius Bau, Berlin
_Stadtkunst Bonn, Bonn
_Videonale 10, Kunstmuseum Bonn, Bonn
2004
_ Wunder der Prärie, Internationales Festival, Mannheim
_Berlin.Istanbul.Vice Versa, Künstlerhaus Bethanien, Berlin
_Video Programme, Raumpool Showroom, Frankfurt
_Brothers and Sisters and Birds, Badischer Kunstverein, Karlsruhe
2003
_Changing Channels, London Biennale Pollinations, Backfabrik, Berlin
2002
_Under the Pavement: The Beach, Proje 4L, Istanbul Museum für zeitgenössiche Kunst, Istanbul, Türkei
_Aurora Berlinalis 2002, Staatliche Münze, Berlin
2001
_Aurora Berlinalis, Galerie 21:26, Oslo, Norwegen
PREISE UND STIPENDIEN
2010
_Delfina Foundation, London
_Follow Fluxus, Nassauischer Kunstverein, Wiesbaden
2008
_Villa Romana, Florenz
2007
_Junger Westen Recklinghausen (Shortlist)
_Blau Orange Kunstpreis (Shortlist mit Claus Richter)
_Berliner Senat Arbeitsstipendium
2005
_Goethe Institut Residency Stipendium in Beirut, Libanon
SAMMLUNGEN
Frac Franche-Comté
BIBLIOGRAPHIE (AUSWAHL)
_2008
"Von Tausend", von Melanie Franke, in: V Magazine.
2005
_"Atmende Wände", von Gustav Falke, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung.
_"Orient vor der Haustür", von Ulrich Clewing, in: Der Tagesspiegel.
_"Videonale 10", von Andreas Denk in: Kunstforum, Ausgabe Juni/August.
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